Das Trivium

Hier geht es um eine Technik, die dir hilft deine, Art zu denken, neu zu strukturieren, um deinen Verstand sinnvoll und logisch einzusetzen.
Es geht also nicht darum „was“, sondern „wie“ du denkst. Ich werde dir das Trivium vorstellen, welches schon Sokrates, Platon und Aristoteles praktizierten.

Trivium, Quadrivium und logische Irrtümer

An mittelalterlichen Universitäten bildete das Trivium zusammen mit dem Quadrivium die 7 freien Künste. Diese Lehrmethode basiert ursprünglich auf Aristoteles und Platon. Allerdings arbeitete auch schon Sokrates mit ihr. Für mich ist die Urheberschaft nicht ganz klar. Mal wird Platon und mal Aristoteles genannt. Beim Trivium geht es darum, die Wirklichkeit von den subjektiven Wahrheiten zu unterscheiden. Um vor sich selbst, aber auch in Interaktion mit Menschen eine gute Basis für den Verstand zu schaffen. Im Kontext des spirituellen Erwachens und der Arbeit mit uns selbst, dient uns diese Technik besonders, um unseren Verstand und unser oft irrationales Geplapper des Egos im Kopf zu entlarven.

Der positive Nebeneffekt ist natürlich, dass wir in der Konversation mit anderen diese Art zu denken auch sehr gut brauchen können, um uns zum einen vor falschem Wissen zu schützen, aber auch bewusste oder unbewusste Manipulationsversuche unseres Gegenübers zu durchschauen. Wenn du damit anfängst, zu arbeiten, wirst du feststellen, dass wir auch selbst oft unbewusst und antrainiert mit solchen Praktiken arbeiten.

Es hilft uns also auch unsere Integrität zu schulen, wenn wir bereit sind bei uns selbst zu schauen.

Hier will ich unbedingt betonen, dass wir alle diese Techniken anwenden und das in der Regel unbewusst.

Das macht uns nicht zu böseren Menschen, denn wir wissen es oft nicht besser. Es ist heute, jedenfalls für mich, nicht ganz klar, warum das Trivium nicht mehr gelehrt und zur Allgemeinbildung gehört, wie es in der Antike noch der Fall war. Natürlich gibt es diverse Theorien, warum das so ist, aber kein eindeutiges Wissen. Ich selbst empfinde es als fast schon tragisch. Denn die Technik befähigt uns, mit uns selbst, aber auch anderen wahrhaftig zu interagieren und Manipulation zu erkennen. Es schult die Fähigkeit, eine These oder ein Konzept zu untersuchen und zu betrachten, ohne es vorschnell zu intrigieren, zu bewerten oder abzulehnen.

Es befähigt uns, ohne Emotion in die Untersuchung zu gehen. Gleichzeitig ist es elementar im Dialog mit anderen darauf zu achten, ohne Emotion Thesen und Konzepte zu diskutieren oder debattieren.

Immer dann, wenn Emotionalität ins Spiel kommt, ist es nicht mehr möglich rational mit einem Thema umzugehen. Bemerkst du also, dass bei dir selbst oder deinem Gegenüber Emotionen im Spiel sind, ist es notwendig zu erkennen, dass es unmöglich ist, rational auf Basis des Triviums damit umzugehen. Emotionen, wenn sie sich unbewusst ausdrücken, blockieren Logik und Ratio.

Die Trivium-Methode des Denkens

Das Trivium setzt sich aus drei Elementen zusammen: Grammatik, Logik und Rhetorik. Alternativ werden auch die Begriffe, Wissen, Verständnis und Weisheit verwendet. Es geht also rund um die Themen Kommunikation und Sprache.

  • Die Grammatik: Hier geht es darum, Rohdaten zu sammeln und sie so zu sortieren, dass sie logisch und schlüssig eine gute Wissensbasis bilden.

  • Die Logik: Mit der Logik wird das mit der Grammatik gesammelte Wissen gefiltert, in dem alle noch vorhandenen Widersprüche herausgefiltert und entfernt werden, sodass wir zu einem ganzheitlichen Verständnis und Erkennen, für alle Zusammenhänge gelangen.

  • Die Rhetorik: Im letzten der drei Elemente, der Rhetorik, geht es darum, das erarbeitete Wissen und Verständnis so zu verbalisieren, dass die daraus erlangten Erkenntnisse für uns selbst, aber auch unsere Gegenüber, schlüssig und alltäglich anwendbar sind.

Bei der Anwendung der Grammatik, Logik und Rhetorik ist es wichtig nicht zu vergessen, dass unsere Konzepte und Modelle nicht der Wirklichkeit entsprechen, sondern sie nur abbilden. Im vorherigen Teil habe ich das anhand der Tasse versucht zu veranschaulichen. Die Tasse, die du dir beim Wort Tasse, denkst, ist nicht die gleiche, wie die Tasse, an die ich denke. Die Beschreibung einer Tasse kann also nie die Tasse selbst sein. Das Konzept Liebe hat das gleiche Problem. Wenn wir an Liebe denken, kann das nicht einheitlich sein. Fragst du 10 Menschen, hast du 10 unterschiedliche Beschreibungen zur Liebe. Das ist das Resultat unserer vielfältigen und individuellen Erfahrungen und Konditionierungen.

Die wissenschaftliche Methode

Die Standardvorgehensweise der wissenschaftlichen Methode basiert auf 4 Schritten:

  • Beobachtung der Realität: Durch das Beobachten der Realität wird ein bestimmtes Verhalten oder Muster in der Wirklichkeit emotionsfrei beobachtet.

  • Aufstellen von Hypothesen: Es werden verschiedene Hypothesen entworfen, die die beobachteten Muster und das beobachtete Verhalten erklärt. Dabei werden ähnliche Phänomene herangezogen und es wird versucht, die aktuelle Beobachtung damit in Einklang zu bringen.

  • Extrapolieren: Aus den verschiedenen Hypothesen wird die wahrscheinlichste herausgefiltert und konkretisiert. Dazu wird ein Experiment entworfen, das Vorhersagen über zukünftiges Verhalten (basierend auf den anfänglichen Bedingungen entwickelt), um es zu verifiziere

  • Verifizieren der Theorie durch wiederholbare Experimente: Um sicherzugehen, dass die Hypothese reproduzierbar ist, wird das Experiment mehrmals wiederholt, um die Vorhersagen mit dem tatsächlichen Verhalten abzugleichen. Es ist elementar, dass das Experiment reproduzierbar ist.

Das ist das ganze Prozedere, um Wissen zu verifizieren.

Die logischen Irrtümer

Was jetzt folgt, ist enorm wichtig. Es sind einige Fallstricke, die uns das Bein stellen und uns vom Weg der Logik abbringen können.

Ich bin mir sicher, dass du viele Strategien schon selbst entlarvt hast und hier wieder erkennst.

Die logischen Irrtümer, die ich ab jetzt aufliste, begegnen uns quasi jeden Tag, durch uns selbst und in Begegnung mit anderen. Werden sie verinnerlicht, ist man nur schwer zu manipulieren.

Hier wird mit der Angst des Gegenübers gespielt, um positive Fakten zu negieren. Es werden beängstigende Szenarien beschrieben, die das Gegenüber davon abhalten sollen, die positiven Aspekte einer Entscheidung zu berücksichtigen.

Hier wird versucht, mit Schmeichelei zur Akzeptanz einer Behauptung zu bewegen, ohne sie zu hinterfragen.

Hier wird versucht, mit Schmeichelei zur Akzeptanz einer Behauptung zu bewegen, ohne sie zu hinterfragen.

Hier wird auf eine sachliche Aussage mit einem persönlichen Angriff reagiert. Diese Strategie wird häufig dann verwendet, wenn dem Gegenüber die sachlichen und logischen Argumente ausgehen.

Hier wird argumentiert, dass etwas wahr ist, weil eine augenscheinliche Mehrheit glaubt, dass es wahr ist.

Hier wird versucht durch positive oder negative Emotionen, anstatt durch logische Argumentation das Gegenüber zur Unterstützung zu bewegen.

Hier wird argumentiert, dass die Mehrheit etwas gutheißt und deswegen muss es gut sein.

Hier wird der Fokus auf ein bestimmtes Detail gelenkt und die anderen Aspekte außer Acht gelassen. Man könnte auch Framing dazu sagen.

Weil ein bestimmtes Thema von den meisten Menschen verspottet oder verachtet wird, muss es wohl falsch oder zumindest irrelevant sein.

Hier wird eine bestimmte Behauptung mit einer unliebsamen Gruppierung oder Person in Zusammenhang gebracht, um sie zu entwerten, ohne dass belegt wird, dass die Behauptung wirklich falsch ist.

Hier wird versucht durch dauerhafte Wiederholung einer Behauptung in einem kurzen Zeitraum zu erreichen, sodass sie ungeprüft als wahr akzeptiert wird. Oder es wird argumentiert das andere z.B. Nachrichten es ständig wiederholen und deswegen muss es Wahr sein.

Hier werden zwei vorgegebene Optionen präsentiert, um ein Problem zu lösen und suggeriert, dass es nur diese zwei Optionen gibt, obwohl bei genauer Betrachtung auch andere Lösungen in Frage kommen.

Es kommt vor, dass wir bei der Wahrheitsfindung auf Experten zurückgreifen. Das ist aber nur dann logisch, wenn der Experte nachweislich ein Experte auf dem Gebiet ist und wenn nachvollziehbar ist, dass der Experte integer und unabhängig ist, also keine z.B. finanzielle Abhängigkeit besteht, die den Experten kompromittiert.

Hier wird argumentiert, dass ein zweites Ereignis durch ein erstes Ereignis ausgelöst wurde, weil das erste Ereignis vor dem zweiten Ereignis eingetreten ist. Tatsächlich könnten beide Ereignisse komplett unabhängig voneinander sein und eine zeitliche Abfolge könnte nur Zufall sein.

Diese Strategie wird gerne verwendet, wenn man ein schwer widerlegbares Argument nicht entkräften kann. Es wird eine mehr oder weniger lange Liste an Themen in den Raum geworfen, in der Hoffnung, dass vor lauter Themen das ursprüngliche Argument vergessen wird. Das eigentliche Argument wird regelrecht mit der Themenliste ummantelt.

Hier bezieht man sich auf eine andere Person und greift eine Behauptung oder Position von Ihr auf, verzehrt und übertreibt sie und greift diese dann an, weil sie leicht als falsch entlarvt werden kann.

Hier werden zwei gegensätzliche Standpunkte genutzt, um die Mitte automatisch als richtig zu deklarieren. Die Mitte muss aber nicht zwangsläufig der richtige Standpunkt sein.

Hier wird etwas als wahr deklariert, weil eine Gruppe der Meinung ist, dass es wahr ist, ohne es wirklich zu prüfen.

Hier wird eine Annahme ungeprüft als wahr deklariert, um auf ihr aufzubauen.

Hier liegt die Fehlannahme vor, dass für eine Komponente, die aus 1, 2 und 3 besteht – wobei 1, 2 und 3 jeweils die Eigenschaft X haben – gilt, dass deshalb auch die Gesamtkomponente die Eigenschaft X haben muss.

Hier liegt die Fehlannahme vor, dass für eine Komponente, die über Eigenschaft X verfügt und aus 1, 2 und 3 besteht, automatisch gilt, dass die auch 1, 2 und 3 die gleiche Eigenschaft haben müssen.

Es gibt noch einige weitere logische Irrtümer. Doch ich denke, es ist klar, worum es geht. Es macht Sinn, diese verschiedenen logischen Irrtümer genau zu verinnerlichen. Diese richtig mit der Standardvorgehensweise der wissenschaftlichen Methode angewendet, basiert auf den folgenden 4 Schritten:

  • Beobachtung der Realität

  • Aufstellen von Hypothesen

  • Extrapolieren

  • Verifizieren der Theorie durch wiederholbare Experimente

Diese werden dir helfen, deinen Verstand richtig einzusetzen und dich vor Manipulation zu schützen. Gerne schaue ich diese Themen mit dir gemeinsam an.

Das Quadrivium

Der Vollständigkeit halber will ich das Quadrivium, welches die ist die zweite Hälfte der 7 freien Künste darstellt, auch kurz ansprechen.

Hier findet man die Elemente:

  • Arithmetik

  • Musik

  • Astronomie

  • Geometrie

Im Quadrivium werden im Wesentlichen Themen rund um Zahlen und deren Bezug zu Zeit und Raum beschrieben.

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